„Was bleibt.“

Andacht Ostern

Die Jüngerinnen wird diese Frage sicher umgetrieben haben. Zumindest kann ich mir es nicht anders vorstellen. Nachdem sie gesehen haben, wie Jesus qualvoll am Kreuz stirbt. Wie er tot vom Kreuz abgenommen wird. Was bleibt?

Den Jüngern wird es nicht anders gehen, als die Frauen ihnen von alldem berichten. Wenn sie sich erinnern, an den gemeinsamen Weg mit ihm, seine Heilungen, seine Wunder, die Predigten, die einzigartige Gemeinschaft mit Brot und Kelch: Was bleibt davon?

Als wir das Haus meiner Großmutter nach ihrem Tod verkauften, da hat mich diese Frage auch lange beschäftigt. Viele Sommerferien hatte ich bei ihr verbracht. Jeden Abend haben wir miteinander Karten gespielt, sie hat mir vorlesen, später habe ich ihren Rasen gemäht und ihr beim Unkraut jäten geholfen. Viele schöne Erinnerungen, aber was bleibt? Ohne die Oma? Ohne den Garten, das Haus, die gemeinsame Zeit?

„Was bleibt“ - Diesmal aber ohne Fragezeichen. So lautet der Titel einer Ausstellung, die nach Ostern im Foyer der Agentur eröffnet wird und vom Team Fundraising organisiert wurde. Sie erzählt in berührenden persönlichen Geschichten von dem, was über den Tod hinaus Bestand hat. Sie erzählt von Apfelkuchen, von Audiocassetten, von einem Fotoapparat und einem geliebten Teddy. Es geht um Abschiede, ums weitergeben und um das, was Neues wachsen kann. Es geht darum, wie Geschichten weitergehen.

Was also bleibt?

Die heilsame und tröstliche Erfahrung von Ostern ist, dass der Abschied nicht das Ende ist, ja, dass der Abschied vielmehr ein Neuanfang ist. Die Geschichte geht weiter. Jesus sagt: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. (Johannes 14,27)

Die Erinnerung an diese Ostererfahrung finde ich gerade heute so wichtig. Ich brauche Sie gerade in dieser von Abschieden und Verlusten geprägten Zeit.

Wenn ich heute am Haus meiner Oma vorbeifahre, sehe ich manchmal, wie kleine Kinder auf dem Rasen toben. Meine Oma hätte ihre Freude daran gehabt.

Kinderlachen auch in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Hamburg-Harburg. Nach der Entwidmung der Kirche zieht eine große Kindertagesstätte dort ein.

Überall entsteht neues Leben in alten kirchlichen Räumen: als Pilgerkirche, als Hörspielkirche oder als Radfahrkirche. Es sind alte Orte mit neuen Programmen.

Es bleiben seine Gesten, Zeichen und Rituale.

Es bleiben seine Worte, Gebete und Predigten.

Seine Zusage bleibt: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. (Jh 14,27)

Ein gesegnetes Osterfest wünscht:

Ihr Mirko Peisert