Fachtag Besuchsdienst am 9. Mai
„Ohne es zu wissen, Engel beherbergt.“
Rund 11.000 Menschen engagieren sich in der Landeskirche, indem sie andere Menschen ehrenamtlich besuchen. Sie kommen nach Hause, ins Krankenhaus, in eine Pflegeeinrichtung oder ein Wohnheim für Jugendliche. Sie machen sich auf den Weg, um andere zum Geburtstag oder zu einem Jubiläum, zur Tauferinnerung oder in Trauerzeiten aufzusuchen. Die Anlässe sind genauso vielfältig wie die Orte der Besuche.
Oft bringen die Ehrenamtlichen etwas Farbe in den Alltag von anderen, immer schenken sie ihr Gehör, ihre Aufmerksamkeit und ihre Zeit.
Das Christentum war seit seinen Anfängen von Besuchen geprägt. Jesus hat es vorgemacht. Seine Besuche in fremden Häusern haben die Menschen verändert, zum Nachdenken gebracht, zum Aufbrechen oder Umkehren.
Später reist Paulus von Gemeinde zu Gemeinde und besucht die Christinnen und Christen in der damaligen Welt. Seine Briefe spiegeln seinen umfangreichen Besuchsdienst. Auch Besuche im Gefängnis oder bei Krankheit gehörten zur Praxis der ersten christlichen Gemeinden.
Besuche sind eine zentrale Ausdrucksform des christlichen Glaubens - so wie der Gottesdienst, die Kirchenmusik oder die Diakonie.
Am 9. Mai treffen sich viele der Engagierten zum Besuchsdiensttag in der Evangelischen Agentur. Pastorin Christiane Brendel, verantwortliche Referentin und Leitung des Teams Mitarbeiten, erklärt: „An diesem Tag sollen Menschen zusammenkommen, die an unterschiedlichsten Orten unserer Landeskirche ehrenamtlich Besuche machen. Sie sollen Impulse für ihre Arbeit bekommen und auch die Vielfalt der Besuchsdienstarbeit unserer Kirche erleben.“
Seit der Corona-Pandemie hat sich diese Arbeit sehr verändert. Christiane Brendel erläutert: „Die traditionellen Besuche zu Geburtstagen sind auf dem Land nach wie vor erwünscht. In den Städten sind manche Menschen allerdings nur schwer erreichbar. Auf spontane oder auch angekündigte Besuche reagieren viele gar nicht, manche ablehnend. Das stellt das traditionelle Format des Geburtstagsbesuchs im städtischen Raum infrage. Daher müssen in den Sozialraum passende Angebote und Formate entwickelt werden, was vielerorts auch geschieht.“
Manche Gemeinden besuchen zum Beispiel junge Familien oder Zeitschenker:innen begleiten über längere Zeit die gleiche Person in einer besonderen Situation.
„Besuchsarbeit ist Einsamkeitsprophylaxe und schützt davor, menschenfeindlichem und diskriminierendem Gedankengut zu verfallen“, sagt Christiane Brendel. „Wer sprechen und sich mitteilen kann, wem aufmerksam und kundig zugehört wird, wer seine Überlegungen mit jemandem reflektieren kann, der erlebt sich im Dialog und findet einen heilsamen Resonanzraum.“
Die Chancen eines Besuches können wahrscheinlich kaum unterschätzt werden. Schon die Bibel wusste, dass bei einem Besuch viel passieren kann.
Der Hebräerbrief ermutigt: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt“ (Hebräer 13,2)
Mirko Peisert