Tabuthema Burnout: Wenn Landwirt:innen sich bis zur Erschöpfung durcharbeiten

Podcast Tabuthema Burnout
Bild: Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen (ekn)

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Henrike Knop
Henrike Knop

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Der psychische Druck in der Landwirtschaft ist enorm, doch in der Branche wird selten darüber gesprochen. Eine neue Folge des Videopodcasts „Was, wenn...“ bricht dieses Schweigen: Gemeinsam mit der Referentin im Team Arbeit und Wirtschaft der Evangelischen Agentur, Henrike Knop, berichtet der Landwirt Friedel Könecke über seinen Weg aus der extremen Überlastung und zeigt auf, wo Betroffene rechtzeitig Unterstützung finden.

Trockenheit, politischer Druck und Arbeit rund um die Uhr – der Alltag auf deutschen Höfen verlangt den Familien alles ab. „Die Hemmschwelle, sich in Krisen zu öffnen, ist nach wie vor sehr hoch“, erklärt Henrike Knop. Als Referentin im Team Arbeit und Wirtschaft bei der Evangelischen Agentur koordiniert sie mit dem Schwerpunkt Evangelische Landwirtschaftliche Familienberatung ehrenamtliche Teams direkt auf den Betrieben. Wie wichtig diese Arbeit ist, belegt eine Studie aus dem Jahr 2021: Demnach leidet fast die Hälfte aller Landwirt:innen in Deutschland unter Depressionen, Angst- oder Erschöpfungszuständen.

Ein Unfall als dramatischer Wendepunkt

Wie schleichend und gefährlich diese Überlastung ist, zeigt die Geschichte des 61-jährigen Landwirts Friedel Könecke aus Isernhagen bei Hannover, der im Podcast zu Gast ist. Nach zwei Jahrzehnten mit nur fünd Tagen Urlaub stand er im Herbst unter permanentem Zeit- und Arbeitsdruck. Völlig erschöpft geriet er bei einer überstürzten Maschinenreparatur in einen Keilriemen und verletzte sich die Hand schwer. Sein erster, erschreckender Gedanke im Krankenhaus: „Endlich Ruhe.“ Erst durch diesen erzwungenen Cut fand er den Abstand, um sich aus der totalen Überlastung zu lösen und den Betrieb später mithilfe einer Hofnachfolge gesünder neu zu strukturieren. 

Niedrigschwellige Hilfsangebote und Prävention

Um es gar nicht erst zu einem Unfall oder psychischen Zusammenbruch kommen zu lassen, bieten verschiedene Organisationen diskrete, praxisnahe Unterstützung an: 

  • Evangelische Landwirtschaftliche Familienberatung (ELF): Die Berater:innen unter der Leitung von Henrike Knop kommen selbst aus der Landwirtschaft und verstehen die Strukturen genau. Sie bieten vertrauliche Gespräche direkt auf den Höfen an, um bei familiären Krisen, Konflikten zwischen den Generationen oder bei der Hofnachfolge zu vermitteln.
  • Krisenhotline der SVLFG: Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau betreibt eine spezialisierte, kostenlose Krisenhotline 0561 785 - 10101, die rund um die Uhr erreichbar und mit geschulten Psycholog:innen besetzt ist. Sie bietet Akuthilfe sowie halbjährige Einzelfall-Coachings an.
  • Entlastung im Alltag: Über die SVLFG können zudem Online-Trainings zu Stressabbau und Schlafgesundheit sowie viertägige Auszeiten genutzt werden. Bei akuten Ausfällen oder geplanten Urlauben vermitteln Maschinenringe professionelle Betriebshelfer:innen zur Vertretung auf dem Hof. 

Mit seiner Geschichte möchte Friedel Könecke anderen Betroffenen Mut machen, sich frühzeitig anzuvertrauen: „Rechtzeitig darüber reden kann den seelischen Druck nehmen und unter Umständen Leben retten.“