Zum Tag des Grundgesetztes am 23. Mai haben die leitenden Geistlichen der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen in einer gemeinsamen Stellungnahme die Bedeutung der Freiheitlichen demokratischen Grundordnung gewürdigt und ihre Bedeutung für Christ:innen hervorgehoben. „Wir treten entschieden für die Werte ein, von denen Demokratie lebt: Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt“, schreiben die Bischöf:innen.
Für die Evangelische Agentur gehört die Demokratieförderung zu den zentralen Themen. Viele der Teams bieten Angebote der Demokratiebildung und der Stärkung einer freiheitlichen-pluralen Kultur. Dazu heißt es in unserem Leitbild: „Wir übernehmen Verantwortung für ein gerechtes und friedliches Miteinander. Wir suchen nach Geschichten und Erfahrungen, die Menschen zusammenhalten.“
Das Team Ökumene und Religionen stärkt die Zusammenarbeit über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg. Teamleiter Lars-Torsten Nolte sagt: „In einer vielfältigen Gesellschaft sind interkultureller und interreligiöser Dialog essenziell, um Vorurteile abzubauen, Teilhabe aller zu ermöglichen, Ambiguitätstoleranz zu stärken und durch konkrete Begegnungen soziales Vertrauen sowie gemeinsame Werte zu fördern.“
Zur Arbeit des Team Mitarbeiten erklärt die Teamleiterin Christiane Brendel: „Besuchsarbeit ist Einsamkeitsprophylaxe und schützt davor, menschenfeindlichem und diskriminierendem Gedankengut zu verfallen. Wer sprechen und sich mitteilen kann, wem aufmerksam und kundig zugehört wird, wer seine Überlegungen mit jemandem reflektieren kann, der erlebt sich im Dialog und findet einen heilsamen Resonanzraum.“
Das Team Generationen und Geschlechter untersucht unter anderem die Verbindungen zwischen Frauenfeindlichkeit und antidemokratischen Haltungen. Referentin Susanne Paul sagt dazu: „Wir beobachten, wie Rechte Politik bewusst Themen rund um Geschlechterrollen nutzt, um sich positiv ins Gespräch zu bringen. Traditionelle Rollenbilder werden als Rückkehr zu einer Zeit propagiert, in der alles besser war, in der Männer ‚echte Männer‘ und Frauen ‚echte Frauen‘ waren. Allerdings werden gleichzeitig Frauenhass und gewaltvolle Männerbilder mitgeliefert.“
Um Frauen zu empowern schafft das Team Räume, in denen Frauen ihre Rolle reflektieren und Meinungen bilden können. „Wir verwenden partizipative Formen, in denen die Frauen ihre Selbstwirksamkeit spüren. Wir thematisieren die Notwendigkeit von gesellschaftspolitischem Engagement, damit sich Strukturen verändern“, betont Paul.
„Demokratiebildung ist Kern unserer Arbeit“, sagt auch Landesjugendpastorin Miriam Heuermann über das Landesjugendpfarramt, das in der Agentur das Team Kinder und Jugendliche bildet.
„Der gesetzliche Auftrag an uns ist an dieser Stelle eindeutig: Wir sollen junge Menschen zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung hinführen. Wir machen das, in dem Räume öffnen, in denen junge Menschen selbst erfahren können, was Demokratie in der Praxis bedeutet.“
Jugendliche erleben durch die Arbeit des Teams demokratische Selbstwirksamkeit, sie erwerben Kompetenzen zur Mitgestaltung von demokratischen Prozessen und sind damit weniger anfällig für Politikverdrossenheit oder autoritäre Einstellungen.
Demokratiebildung hat im Landesjugendpfarramt auch eine historische Dimension. Regelmäßig werden Multiplikator:innen für Gedenkstättenpädagogik ausgebildet.
„Jugendverbandsarbeit ist Demokratie zum Anfassen“, erklärt Heuermann. „Junge Menschen entscheiden selbst, was in ihrer Gruppe passiert, übernehmen Verantwortung füreinander, streiten um die beste Lösung und lernen, dass Mehrheitsentscheid und gegenseitige Achtung zusammengehören.“ Die Pastorin räumt aber auch ein: „Dass wir das tun, macht Jugendverbände an manchen Orten inzwischen zur Zielscheibe. Regelmäßig wird uns von Rechtsaußen vorgeworfen, dass wir junge Menschen indoktrinieren. Wir tun aber das Gegenteil. Wir geben ihnen Werkzeuge, um selbst zu denken, selbst zu entscheiden und selbst zu streiten.“
Das Team Demokratie und Frieden bietet Orientierung, Unterstützung und Beratung im Dickicht der Weltanschauungen und Verunsicherungen unserer Zeit. Es koordiniert die Zusammenarbeit der Landeskirche mit den Friedensorten und vernetzt, stärkt und begleitet Demokratie- sowie Friedensinitiativen. Zudem organisiert das Team diverse Bildungsformate und bringt sich durch Vorträge, Seminare und Tagungen in aktuelle gesellschaftliche Debatten und Diskurse ein.
Zusätzlich informiert und berät das Team über Phänomene wie Verschwörungstheorien, Desinformationen, Fundamentalismus, sogenannte Sekten, Populismus, Rechtsextremismus sowie zu konstruktiven Ansätze der Partizipation und demokratischer Willensbildung.
Wir in der Agentur verstehen uns als engagierter evangelischer Partner des Dialogs und Austausches. Wir möchten mit unseren Themen und Ansätzen die politischen Debatten unserer Kirche und unseres Landes konstruktiv begleiten. Wir klären auf. Wir informieren. Wir sind nicht zuletzt Anwälte und Verbündete für Minderheiten, für benachteiligte und marginalisierte Gruppen – für jene, deren Stimmen oft überhört werden.
Kritisch. Engagiert. Konsequent für die Demokratie.
Mirko Peisert